Das Kaisergebirge in Tirol zählt zu den eindrucksvollsten Gebirgszügen der Nordalpen. Es besteht aus zwei parallel verlaufenden Ketten – dem schroffen, felsigen Wilden Kaiser mit seinem höchsten Gipfel, der Ellmauer Halt (2.344 m), und dem sanfteren, größtenteils bewaldeten Zahmen Kaiser, der in der Vorderen Kesselschneid auf 2.001 m gipfelt.

Das gesamte Gebiet steht bereits seit den 1960er-Jahren als Naturschutzgebiet unter Schutz und erstreckt sich auf rund 93 Quadratkilometern zwischen Kufstein, St. Johann in Tirol und den umliegenden Kaiser-Orten Ellmau, Going, Scheffau und Söll.

Ich war schon vor rund fünf Jahren mit meiner damaligen Freundin und heutigen Ehefrau ein Wochenende im Kaisergebirge unterwegs und wir hatten damals ein paar wirklich schöne Wanderungen dort.

Als ich dieses Jahr wieder auf der Suche nach einer neuen Hüttentour war, kam mir die Erinnerung daran sofort wieder in den Sinn, und ich wusste: Jetzt muss die Kaisertour her.

Ich will nicht zu viel vorwegnehmen, aber so viel sei gesagt: Es wurde wieder eine großartige Hüttentour, mit aufregenden alpinen Passagen, einem malerischen Bergsee, wunderschön gelegenen Hütten und genug Zeit, um einfach nur den Weitblick zu genießen.

Wichtig zu wissen: Die Route, die ich hier beschreibe, weicht leicht von der klassischen Kaisertour ab. Zum einen war die übliche Richtung aufgrund der Hüttenverfügbarkeit nicht möglich – normalerweise startet man nicht in Kufstein, sondern in Ebbs.

Mir war es aber praktischer, direkt in Kufstein zu enden. Zum anderen musste ich die dritte Etappe, die eigentlich meist als erste Etappe gelaufen wird, wetterbedingt umplanen.

Die Original-Tour sowie meinen eigenen GPS-Track findest du weiter unten im Informationsteil.


Ein paar Fakten zur Kaisertour

Tourenbeschreibung: 3 Tage Hüttentour durch das Kaisergebirge in Tirol

Kaisertour Etappe 1: Von Egerbach zur Gruttenhütte

Angereist bin ich mit dem Zug von Nürnberg über München nach Kufstein. Von dort ging es mit einer kurzen Busfahrt weiter nach Egerbach, dem Startpunkt meiner Kaisertour.

Der Weg führte zunächst gemütlich bergauf, ohne zu steil zu werden, vorbei an saftig grünen Almwiesen, auf denen Kühe grasten. Je höher ich kam, desto schöner wurde der Blick zurück ins Tal.

Es dauerte gar nicht lange, bis ich mich mitten im Almgebiet wiederfand, vorbei an der Walleralm, die theoretisch zu einer ersten Rast einlädt – für mich war es aber noch zu früh dafür.

Die ersten Hütten zur Einkehr

Danach führte mich ein schöner Höhenweg ein gutes Stück weiter und schenkte mir einen fantastischen Blick auf den Hintersteiner See.

Dort habe ich eine Weile verweilt und die Aussicht auf den türkisblauen Bergsee einfach auf mich wirken lassen.

Der wunderschöne Hintersteiner See

Nicht weit dahinter erreichte ich die Steiner Hochalm, die zwar bewirtschaftet ist, in diesem Moment allerdings nur Getränke anbot. Rund eine halbe Stunde später kam die Kaiser Hochalm, die aktuell nicht bewirtschaftet ist.

Dort standen aber ein paar Getränke zur Selbstbedienung an der örtlichen Wasserstelle bereit. Der Weg dorthin war gespickt mit tollen Ausblicken auf den Wilden Kaiser, der nun immer imposanter über mir aufragte.

Anschließend folgte ein kurzes, seilgesichertes Stück, das aber gut zu bewältigen war. Danach führte der Höhenweg weiter zu einem besonders eindrucksvollen letzten Abschnitt hinauf zur Gruttenhütte, mit grandiosem Blick auf das umliegende Gebirge.

Dieser Teil war schon etwas steiler, es gab aber immer wieder Bänke zum Ausruhen.

Auf der Gruttenhütte angekommen, habe ich mich erstmal auf der Terrasse niedergelassen und etwas gegessen, bevor ich eingecheckt, geduscht und mir einen Platz im Matratzenlager gesichert habe.

Den restlichen Tag habe ich dann einfach auf den Almwiesen vor der Hütte verbracht – gelesen, entspannt und den Blick auf die schroffen Wände des Wilden Kaiser genossen.

Ein tollen Ausblick auf eine Felswand im Wilden Kaiser Gebiet

Kaisertour Etappe 2: Von der Gruttenhütte zum Stripsenjochhaus

Der zweite Tag startete mit einem ausgiebigen Frühstück in der Gruttenhütte und das war auch gut so, denn diese Etappe sollte der anspruchsvollste und nervenaufreibendste Teil der gesamten Kaisertour werden.

Kurz nach der Hütte ging es direkt zum Jubiläumssteig, einer Art leichtem Klettersteig, den man aber auch ohne Klettersteigausrüstung begehen kann.

Der Steig ist gut abgesichert und professionell angelegt, verlangt aber unbedingt Trittsicherheit und Schwindelfreiheit, da man an einigen Stellen ordentlich ausgesetzt unterwegs ist.

Der Nervenkitzel hat sich definitiv gelohnt, denn der Blick auf die schroffe, alpine Landschaft des Wilden Kaiser war super.

Vom Jubiläumssteig ging es weiter in den Kübelkarsteig und schließlich in einen steilen Schotterweg hinauf zum Elmauer Tor, einem markanten Felssattel auf rund 1.980 m.

Der Blick zurück ins Tal war bei jedem Zwischenstopp die Anstrengung wert. Oben am Elmauer Tor angekommen, habe ich erstmal eine Pause eingelegt und die alpine Kulisse mit ihren zahlreichen Gipfeln genossen.

Statt direkt weiter zur Hütte zu laufen, habe ich mich für einen Abstecher zum Gipfel der Hinteren Goinger Halt auf 2.210 m entschieden. Der Aufstieg war ziemlich steil, aber gut machbar – Trittsicherheit war hier erneut Pflicht.

Hinauf zum Hinteren Goinger Halt

Oben angekommen, habe ich bei kristallklarer Sicht eine ausgiebige Rast gemacht und den weiten Rundblick über das Kaisergebirge in mich aufgesogen.

Ausblick vom Gipfel Hinterer Goinger Halt

Nach dem Abstieg zurück zum Elmauer Tor folgte der wohl intensivste Teil der gesamten Kaisertour: der Abstieg über den Eggersteig und die Steinerne Rinne.

Dieser Abschnitt zog sich für mich ca. anderthalb Stunden, war durchgehend seilgesichert und extrem steil.

Man hätte ihn auch problemlos mit Klettersteigausrüstung gehen können, es ging aber auch ohne.

Für schwache Nerven ist dieser Teil definitiv nichts. Es hat zwar großen Spaß gemacht, aber auch reichlich Adrenalin gefordert. Hier gilt: Zeit lassen und jeden Schritt bewusst setzen.

Mit meiner Höhenangst bin ich hier schon ordentlich ins Schwitzen gekommen 😃

Nach diesem fordernden Abstieg öffnet sich ein kleines Hochtal, von dem aus man das Stripsenjochhaus bereits erspähen kann.

Nach einer kurzen Verschnaufpause folgte noch ein letzter, etwa 20-minütiger steiler Anstieg zur Hütte, die ebenfalls traumhaft gelegen ist.

Der Weg zum Stripsenjochhaus auf der Kaisertour

Dort habe ich mir erstmal ein ordentliches Essen gegönnt und kurz beim nahegelegenen Tavonaro-Kreuz ein Erinnerungsfoto gemacht.

Am Tavonaro-Kreuz posieren

Für den nahen Hundskopf-Gipfel fehlte mir dann die Motivation. Ich wollte lieber duschen und den Rest des Tages entspannt auf den Almwiesen ausklingen lassen, mit Blick auf die imposante Bergwelt.

Kaisertour Etappe 3: Vom Stripsenjochhaus nach Kufstein

Für Tag drei war Regen angesagt, weshalb ich die Route kurzerhand umgeplant habe. Statt weiterer Gipfelabstecher entschied ich mich für eine sichere Variante ganz ohne exponierte Passagen.

Bei bewölktem Himmel ging es zunächst über einen schönen Höhenweg bis zum Feldalmsattel, der noch einmal ein tolles Panorama bot. Weiter führte der Weg an der Hochalm am Zahmen Kaiser vorbei und entlang der Bärentaler Wände.

Hier wurde der Untergrund streckenweise steinig, mit dem ein oder anderen kleinen Geröllfeld, das aber gut zu meistern war. Danach ging es stetig bergab, zurück in die Baumgrenze.

Auf dem Weg passierte ich die Vorderkaiserfeldenhütte, die eigentlich fester Bestandteil dieser Route ist und normalerweise auch Übernachtungsmöglichkeiten bietet – aktuell wird sie jedoch renoviert.

Ich bin daher einfach die rund 20 Minuten weiter zur Ritzau Alm gelaufen, wo man ebenfalls gut essen und übernachten kann.

Von dort führte der Weg stetig weiter hinab Richtung Kufstein. Kurz vor dem Ende der Tour wartete noch ein echtes Highlight: die Kaiserbachklamm, die ich auf einem schmalen Steg überquert habe.

Die Kaiserbachklamm

Ein wirklich schöner Abschluss der Kaisertour war dann der Einlauf nach Kufstein, mit Blick über die Wiesen, die Stadt und ihre markante Festung.

Nach einer kurzen Erfrischung an einer Parkbank bin ich direkt zum Bahnhof gelaufen und mit dem Zug zurück nach Nürnberg gefahren.

Einlauf und Abschluss in Kufstein

Fazit zur Kaisertour im Kaisergebirge

Was soll ich sagen 😄 Genau wie schon vor fünf Jahren hat mich das Kaisergebirge auch dieses Mal wieder restlos begeistert.

Die eindrucksvolle Berglandschaft, die urigen Hütten mit ihrem guten Essen und die unglaubliche Dichte an Erlebnissen auf verhältnismäßig kurzer Strecke machen diese Tour zu etwas Besonderem.

💡
Wichtig ist zu wissen, dass vor allem die zweite Etappe wirklich anspruchsvoll ist und nur erfahrenen, trittsicheren und schwindelfreien Wanderern empfohlen werden sollte.

Wer hier keine alpine Erfahrung mitbringt, sollte diesen Abschnitt lieber meiden.

Bei Regen oder Nässe würde ich diese Etappe grundsätzlich nicht empfehlen – der Eggersteig und die Steinerne Rinne verlangen unbedingt trockene, gute Wetterbedingungen.

Unterm Strich bleibt aber eine klare Empfehlung: Diese Kaisertour ist eine sehr schöne Hüttentouren und ich würde sie jederzeit wieder laufen.



Alle Informationen zur Kaisertour im Kaisergebirge

Wenn du Informationen benötigst, wie du dich grundsätzlich auf eine Hüttentour vorbereiten solltest und was es zu beachten gibt, dann empfehle ich dir zusätzlich zu den unten stehenden Infos zur Tour noch folgenden Artikel:

Ultimative Anleitung: 14 Tipps - Hüttentour planen
Die wichtigsten Tipps zur Planung deiner Hüttentour! Von Routenplanung, Wetter, Ausrüstung bis zur Sicherheit und mehr - alles, was du wissen musst.

Hier findest du viele Tipps um deine Kaisertour zu planen

An- und Abreise ins Kaisergebirge

  • Mit dem Zug von München in ca. 1 Std. 15 Min. nach Kufstein
  • Von der Bushaltestelle direkt am Bahnhof Kufstein mit der Buslinie 866 (Richtung St. Johann i.T.) in ca. 15 Minuten zur Haltestelle Schwoich Egerbach
  • Rückreise ab Kufstein direkt mit dem Zug

Übernachten und Unterkünfte auf der Kaisertour

Wie immer gilt, wenn du die Kaisertour sicher machen möchtest, versuche so früh wie möglich die Hütten zu reservieren. Die sind super schnell ausgebucht.

Weitere Hütten im Kaisergebirge (über kurze oder längere Umwege erreichbar):

Etappenreihenfolge, Markierung und GPS-Track

Die klassische Kaisertour startet in Ebbs statt in Kufstein und läuft in umgekehrter Richtung. Meine Route hier ist eine leicht abgewandelte Variante über 3 bis 4 Tage, angepasst an Hüttenverfügbarkeit und Wetter.

Meinen GPS-Track findest du hier: Kaisertour auf Komoot.

Hier ist der Link zur Original-Tour.

Die Wege sind im gesamten Kaisergebirge gut ausgeschildert und markiert.

Etappenübersicht meiner Tour

Beispiel Tabelle
Start Ziel Dauer Länge hm 👆 hm 👇
1 Egerbach Gruttenhütte 6 h 16,2 km 1.320 250
2 Gruttenhütte Stripsenjochhaus 5 h 7,2 km 870 910
3 Stripsenjochhaus Kufstein 5,5 h 17,5 km 490 1.560

Beste Jahreszeit und Wetter im Kaisergebirge

Die beste Zeit für die Kaisertour am Wilden Kaiser liegt zwischen Mitte Juni und Mitte September. In diesem Zeitraum ist das Wetter in der Region am stabilsten und wärmsten.

Da einige Passagen der Tour seilgesichert und ausgesetzt sind, solltest du unbedingt auf eine stabile Schönwetterphase achten und die Etappe über den Jubiläumssteig, das Elmauer Tor und den Eggersteig nur bei trockenen Bedingungen einplanen.

Wetter Jahresübersicht von einem hohen Punkt mittem im Kaisergebirge

Anforderungen und Beschaffenheit des Weges

💡
Die Kaisertour ist grundsätzlich nur für erfahrene, trittsichere und schwindelfreie Wanderer geeignet.

Besonders die Etappe von der Gruttenhütte zum Stripsenjochhaus mit Jubiläumssteig, Elmauer Tor, Goinger Halt und der Steinernen Rinne verlangt alpine Erfahrung und ein sicheres Auftreten in exponiertem Gelände.

Schau dir dazu bitte die Bilder in Etappe 2 an.

Die übrigen Etappen sind konditionell fordernd, aber technisch deutlich entspannter.

Ausrüstungstipps für die Kaisertour

Für eine Hüttentour im Kaisergebirge sind festes Schuhwerk, Trekkingstöcke, eine gute Regenjacke sowie Kleidung in mehreren Schichten Pflicht.

Denk außerdem an Sonnencreme, da die Sonne in höheren Lagen besonders intensiv ist.

Eine ausführliche Packliste für mehrtägige Hüttentouren findest du in diesem Artikel.

Notfallhilfe

Im Notfall erreichst du über die europaweite 112 sowie den österreichischen Alpin-Notruf 140 schnell Hilfe.

Verpflegung und Wasserversorgung

  • Etappe 1: Kaum Möglichkeit auf ein warmes Mittagessen unterwegs, da die Almen nur Getränke anbieten – ausreichend Snacks mitnehmen
  • Etappe 2: Nach dem Frühstück rechne mit 5-6 Stunden bis zum nächsten warmen Essen auf dem Stripsenjochhaus
  • Etappe 3: Mit der Vorderkaiserfeldhütte und der Ritzau Alm gibt es gute Möglichkeiten zum Mittag einzukehren
💡
Wasser gibt es zuverlässig nur auf den Hütten, unterwegs solltest du nicht mit Bächen oder Quellen zum Auffüllen rechnen

Mein Planungstool

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Das Tool umfasst folgende Bestandteile:

  • Übersicht und Dashboard
  • Checklisten
  • Nützliche Links
  • Etappenplanung
  • Packliste

Für eine nähere Erklärung und Einblick dazu, schau gern in den zugehörigen Artikel zum Planungstool.


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